© Aargauer Zeitung; 2002-05-22; Seite 2

Bremgarten

In der Kulturstadt geht es emsig zu und her

BREMGARTEN · Während der Bildhauerwoche herrscht auf dem Schellenhausplatz ein emsiges Treiben

Raus aus dem eigenen Atelier, rein ins Städtchen, dieses Motto gilt für 10 Bildhauerinnen und Bildhauer im Rahmen der 1. Bremgarter Bildhauerwoche noch bis nächsten Samstag. Organisiert wurde der Anlass vom Verkehrsverein im Rahmen seiner 100-Jahr-Feier.

Susanna Vanek

Es ist nicht zu überhören: Die Bildhauerinnen und Bildhauer haben den Bremgarter Schellenhausplatz in Beschlag genommen. Da wird einerseits konzentriert gehämmert, gesägt und gehobelt, andererseits auch immer wieder miteinander geplaudert. «Ich geniesse es», sagt Alena Synkova, Skulpteurin aus Bremgarten, «für einmal nicht allein drinnen im Atelier zu arbeiten, sondern draussen, im Kontakt mit anderen Kunstschaffenden.» Diese Ansicht wird von den anderen 9 Teilnehmenden - Martina Kremencek und Ruedi Mösch hatten kurzfristig abgesagt - an der 1. Bremgarter Bildhauerwoche geteilt. Wobei die Künstlerinnen nicht nur miteinander einen Austausch pflegen, sondern einander, wo nötig, auch zur Hand gehen. So fasst etwa der Rottenschwiler Metallgestalter Dani Troll mit an, wenn der Holzbildhauer Andreas Reichlin aus Immensee einen Holzblock verschieben möchte.

Eine Oase der Ruhe

Unterdessen gehen Ursula Lightowler, die Präsidentin des Verkehrsvereins, und Andrea Walde, die den Anlass mitorganisiert hat, noch einmal durch die Ausstellung im Zeughausgarten. Ihre Gesichter strahlen vor Zufriedenheit. Kein Wunder, das Nebeneinander von Skulpturen und Objekten verschiedener Stilrichtungen im malerischen Garten ist wirklich gelungen. Der Ausstellungsort im Freien ist eine Oase der Ruhe, ein Rundgang lohnt sich auf jeden Fall. Ausgestellt werden Arbeiten der an der Woche beteiligten Bildhauer - ausser denjenigen von Alex Schaufelbühl. Sein lustiger Troll und ein wirklich allerliebster Frosch stehen vor der Treppe zum Zeughausgarten und sollen Passanten «gluschtig» auf die Ausstellung machen. Diese wird von vielen Plakaten ergänzt. Dabei handelt es sich um Schülerarbeiten, die mit dem Zweck geschaffen wurden, die 1. Bremgarter Bildhauerwoche zu bewerben. Am Freitagabend findet, im Rahmen des Künstlerfestes und der Auktion, die Prämierung der Schülerarbeiten statt.

Blick über die Schulter

Kunst komme von Können, erklärte Walter-Karl Walde bei der offiziellen Eröffnung gestern Abend. Während der Bildhauerwoche könne jeder Interessierte den Schaffensprozess von Kunst verfolgen. Genau das sei die Chance der Woche, man könne von Anfang bis Ende verfolgen, wie ein Kunstwerk entstehe. «Der Weg ist dabei das Ziel», meinte Walter-Karl Walde. Ausserdem könne man mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen. Stadtammann Peter Hausherr verlieh in seiner Begrüssungsrede der Freude Ausdruck, dass die Bildhauerwoche zustande gekommen sei. Unter dem Motto «Bremgarten, ein Kunst- und Kulturstadt» sollen auch in Zukunft periodisch weitere solche Veranstaltungen durchgeführt werden, verriet er.

Ein Brunnen als Geschenk

Für alle, die während der Woche Lust bekommen, selber Kunst zu machen, hat der Verkehrsverein einen Wettbewerb mit zahlreichen wirklich attraktiven Preisen organisiert. Alle, die wollen, können auf einen Steinblock draufschlagen. Wer am besten schätzt, wie schwer der Block am Ende der Woche sein wird, gewinnt. Ein Tipp: Zu Beginn wog der Stein 3260 Kilogramm. Wobei die Arbeit der Besucher einen weiteren Sinn hat, entstehen soll nämlich ein Brunnentrog, den der Verkehrsverein der Stadt schenken will. Noch steht nicht fest, wo er aufgestellt wird.

Das Rahmenprogramm sieht, neben einer Festwirtschaft, am Freitagabend ab 17.30 Uhr ein Künstlerfest mit einer Auktion vor. Dabei können alle Kunstobjekte, die sie nicht mehr haben wollen, verkaufen - bereits jetzt sei verraten, dass man «Schnäppchen» wird machen können, es trafen schon Werke ein. Am Donnerstag kann man von 10 bis 19 Uhr weitere Bilder oder Skulpturen anliefern. Am Samstag gibt es ab 13.30 Uhr ein Jazzkonzert.

Skulpturenweg Der ruhige Zeughausgarten bildet einen Gegenpol zum Treiben auf dem Schellenhausplatz.  


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